Meine Karriere in der deutschen Nationalmannschaft:

Daß ich Nationalspieler werde, hab` ich zuerst von meinem Klubtrainer Martin Schwalb erfahren. Heiner Brand hatte mit ihm telefoniert, bevor die offizielle Einladung kam. Das erste Länderspiel war im März 2001 in Rostock gegen Norwegen. Ein Tor hab ich gemacht. Mein erstes! Über die Mitte gegangen und rechts unten reingenagelt.

Alles ging wahnsinnig schnell

Und dann ging alles wie von selbst: Beim Super-Cup im Oktober 2001 spielte ich ziemlich gut und sicherte mir dadurch das Ticket zum EM in Schweden. Ich begann im Januar 2002 die EM als Reservist und kam am 4. Februar mit einer nie für möglich gehaltenen Silbermedaille und als Stammspieler heim. Heiner Brand hatte mich in der Vorrunde immer nur ein paar Minuten spielen lassen, in der Zwsichenrunde etwas mehr; in Halbfinale und Finale durfte ich sogar anfangen.

Bittere Niederlagen

Die EM-Finalniederlage in Schweden war ganz bitter, Leute. Wir hatten eine Riesen-EM gespielt und standen sensationell im Finale gegen Gastgeber und Titelverteidiger Schweden. Flo Kehrmann macht in der letzten Sekunde den absolut regulären Siegtreffer und die Schiris geben das Ding nicht. Die Verlängerung ging daneben, weil wir total platt waren.

Das WM-Finale in Portugal gegen die Kroaten haben wir verdient verloren. Kretzsche und Volker Zerbe fehlten verletzt und was im Halbfinale gegen die Franzosen noch so super geklappt hatte, konnten wir im Endspiel nicht mehr wiederholen.

Und dann endlich GOLD bei der EM in Slowenien. Noch niemals hatte eine Mannschaft drei Endspiele in Folge verloren, warum also wir? Am 1. Februar also der erste Höhepunkt meine Karriere. Europameister!

Und es ging weiter: Olympia 2004 in Athen. Wir haben ein super Tunier gespielt. Für mich kam dann der harte Schlag und das Turnier-Aus im letzten Vorrundenspiel gegen Ungarn. Endlich lief es bei mir im Spiel rund und dann kam das Foul meines Gegenspielers. Diagnose Bandscheibenvorfall! Das war für mich und meine Mannschaft ziemlich hart. 
Schon das Viertelfinalspiel gegen Spanien hatte Endspiel Stimmung. Ich kann mich an kein Spiel erinnern, dass so aufregend war wie dieses. Zwei Verlängerungen und dann das legendäre Siebenmeterschießen.

Im Finale trafen wir auf Kroatien. Schon einmal hatten wir gegen sie in einem Finale verloren (WM 2003), dass sollte nicht noch einmal kommen. Wir dominierten eigentlich das ganze Spiel über, doch zum Ende hin haben wir nachgelassen, uns fehlte die Karft. Es hat etwas gedauert bis ich darüber hinweg war, da ich mir Vorwürfe machte, warum ich nicht doch gespielt habe und vielleicht hätte ich den Jungs helfen können. Aber es war so wie es ist und ich habe dann auch verstanden, dass wir nicht Gold verloren haben sondern Silber gewonnen haben!

Verletzungspech setzte sich fort

Im Januar 2005 war dann die WM in Tunesien dran. Wir fuhren mit einer fast komplett neuen Mannschaft zur WM, da nach den Olympischen Spielen viele unserer Spieler zurückgetreten waren. Der Bundestrainer hatte also die Aufgabe eine neue Mannschaft zu finden die an die Erfolge anknüpfen kann. Da das nicht gleich im ersten Jahr geht, wussten alle, da wir uns aber weder für die EM 2006, als Europameister, noch für die WM 2007 als Ausrichter, qualifizieren mussten, konnten wir in diesem Turnier frei aufspielen und uns finden. Leider ging für mich das Turnier schneller vorüber als ich gucken konnte, denn ich verletzte mich im Training vor dem ersten Spiel und damit war die WM gelaufen: Muskelfaserriss.
Die Jungs haben aber ihr bestes gegeben und sind Neunter geworden.

Ein starker 5. Platz in der Schweiz!

Im Januar 2006, die Europameisterschaft in der Schweiz. Wir sind als Titelverteidiger angetreten, waren aber eher ein Außenseiter, da wir ja einen großen Mannschaftsumbruch hatten. Nachdem Kretzschmar, Zerbe, Dragunski, Petersen und Stephan zurückgetreten waren, musste der Bundestrainer eine neue Mannschaft formen.

Zum Auftakt 31:31 gegen Weltmeister Spanien, einem 31:26-Sieg gegen die Slowakei folgte eine 25:27-Pille gegen den späteren Europameister Frankreich.

Die Erinnerungen kamen hoch, denn als wir 2004 Europameister wurden gingen wir auch mit 1:3 Punkten in die Hauptrunde und haben den Pott am Ende geholt. Wir mussten hoffen, dass Spanien und Frankreich in der Zwischenrunde ausrutschen und wir alle Spiele gewinnen. Wir haben dann gegen die Ukraine dominiert (36:22), auch gegen Slowenen (36:33) und Polen (32:24) eine super Leistung hingelegt.

Da aber weder Frankreich noch Spanien gestolpert ist, hat's nur für das Spiel um Platz 5 gereicht: 32:30 gegen Russland. Immerhin war das die Quali für die nächste EM 2008 in Norwegen, unser Minimalziel.

Und dann der Höhepunkt: Die WM 2007

Nach den beiden ersten leichten Gruppenspielen gegen Brasilien und Argentinien kam der Mega-Patzer: Es setzte eine 25:27-Niederlage gegen Polen. Das war ein ganz schöner Dämpfer. Jetzt mussten wir in der Zwischenrunde Gas geben. Das taten wir auch, Slowenien hatte beim 35:29 ebenso wenig eine Chance wie Tunesien (35:29). Sogar Europameister Frankreich schlugen wir 29:26 und am Ende siegten wir gegen Island 33:28. Alles lief und die Begeisterung des Publikums schaukelte sich von Spiel zu Spiel in die Höhe.

Dann zwei Krimi-Spiele und ein Happy End

Viertelfinale gegen Weltmeister Spanien. 27:25, ein unglaubliches spannendes Spiel, fast wie bei Olympia 2004. Aber Frankreich übertraf dann alles. Zweimal Verlängerung mit Happy End. Wir gewannen 32:31. Gegen diese beiden Spiele war das Finale gegen Polen fast ein Spaziergang. Wir wankten zwar, als unser Torwart Henning Fritz verletzt raus musste, aber Johannes Bitter hielt super und nach ein paar Minuten Ladehemmung trafen wir auch vorne wieder: 29:24. Ein Traum wurde war - wir waren Weltmeister!

Olympia 2008 – Wieder mal eine Verletzung

Es passierte in der 26. Minute im Spiel gegen Island. Bei einem Sprungwurfversuch landete ich unglücklich auf dem Boden. Sofort war der Schmerz da, ist wusste, da ist etwas schlimmeres passiert. Die Verletzung hat sich als Schienbeinkopffraktur erwiesen. Ein Schock für mich! Bereits wenige Tage später wurde ich in Hamburg operiert. Damit ging das olympische Handball-Turnier erneut ohne mich zu Ende. 2004 in Athen hatte mich bereits eine Bandscheibenverletzung außer Gefecht gesetzt.
Unser deutsches Team landete am Ende in der Vorrundengruppe nur auf Platz 5, verpasste also den Sprung ins Viertelfinale. Damit hatten wir alle nicht gerechnet.

WM 2009 – ein wertvoller fünfter Platz

Wenn unserem runderneuertem Team vor der WM einer gesagt hätte ihr werdet fünfter, wären wir wahrscheinlich nicht unzufrieden gewesen. Letztlich blieb dennoch en schaler Beigeschmack, hatten wir doch in der Hauptrunde in Zadar alle Chancen auf den Einzug ins Halbfinale. Doch der Reihe nach:

Die Vorrunde wurde in Varazdin ausgetragen. Es lief für uns gut. Zwar starteten wir mit einem Unentschieden gegen Russland in das Turnier, es sollte aber unser einziger Punktverlust in der 1. Runde bleiben. Es folgten Siege gegen Tunesien, Algerien, Mazedonien und Polen. Da Russland die Quali für die Hauptrunde verpasste nahmen wir vier Punkte mit an die Adria. Ob es letztlich das eigene Unvermögen oder die unglücklichen Entscheidungen der Schiedsrichter oder eine Mischung aus beidem war – lassen wir es mal dahingestellt. Außer dem Unentschieden gegen Serbien gelang uns kein Punktgewinn mehr. Sowohl gegen Norwegen, als auch gegen Dänemark kassierten wir Niederlagen. Polen gewann dreimal und zog an uns vorbei und mit Dänemark ins Halbfinale ein. Uns blieb das Spiel um Platz 5. Hier nahm ich auf der Tribüne Platz, seit dem Spiel gegen Norwegen hatte ich muskuläre Probleme im Oberschenkel. Doch Lars Kaufmann und die gesamte deutsche Truppe machten ihre Sache toll, so stand am Ende Platz 5.

EM 2010 – nur als Fan und Reporter dabei

Nachdem ich im Sommer 2009 an meiner Achillessehne operiert wurde und mir deshalb eine ganze Vorbereitung fehlte, habe ich mit dem Bundestrainer entschieden, die EM in Österreich abzusagen, da ich dem Team nicht hätte richtig helfen können. Leider sind die Jungs knapp an dem Einzug in die Zwischenrunde gescheitert und mussten somit früh das Turnier verlassen.

WM 2011 – 11. Platz in Schweden

Das war kein leichtes Turnier für uns – nach der schlechten EM im Vorjahr standen wir extrem im Fokus und haben uns viel Druck auferlegt, da wir alles besser machen wollten. Wir hatten die Zwischenrunde erreicht und auch ein überzeugende Vorrunde gespielt – aber leider gegen die Gegner Spanien und Frankreich, die mit uns in die Hauptrunde gegangen sind, verloren, weshalb wir mit 0 Punkten gestartet sind. Nach dem Auftaktspiel in der Hauptrunde gegen Island, wo wir losgelegt haben wie die Feuerwehr und verdient gewonnen haben, haben wir uns in den darauf folgenden Spielen leider überhaupt nicht von unserer guten Seite gezeigt, was zum Resultat hatte, dass wir uns nicht für das Halbfinale qualifizieren konnten und nur um Platz 11 kämpfen durften.

Kein Höhepunkt in meiner Nationalmannschaftskarriere, aber auch da muss man durch.

EM 2012 – mein letzter Auftritt in der Nationalmannschaft

Schon vor dem Turnier war mit klar: Wenn wir es nicht schaffen sollten, uns für die Olympischen Spiele in London zu qualifizieren, dann werde ich meine Nationalmannschaftskarriere beenden. Einmal Olympia hätte ich gerne noch mitgenommen, aber auch danach wäre dann Schluss gewesen. Keine leichte Entscheidung, denn es hatte mir immer viel Spaß gemacht für mein Land zu spielen und vor allem konnte ich auch viele Erfolge feiern, aber irgendwann meldet sich der Körper. Man muss sich dann auch selber schützen und dem Körper seine Pausen geben, denn mit der ernormen Belastung steigen die Verletzungsquoten und da wollte ich gegen arbeiten.

Im Nachhinein betrachtet, war es auch die beste Entscheidung. Ich bin als Kapitän mit meiner Mannschaft angereist, um den schlechten 11. Platz vom Vorjahr vergessen zu machen und unsere Sportart wieder nach oben zu führen. Das ist uns leider nicht gelungen. Wir haben in der Vorrunde den ersten Platz belegt, trotz einer Niederlage gegen Tschechien direkt zum Start des Turniers. Mit vier Punkten ging es dann in die Hauptrunde, nach einem Unentschieden gegen Serbien und zwei knappen Niederlagen gegen Dänemark und Polen waren wir raus und hatten neben der verpassten Medaillenchance auch keine Chance mehr auf die Teilnahme an den Sommerspielen in London im selben Jahr. Das war sehr traurig, auch vor dem Hintergrund, dass wir seit langem nun keinen Erfolg mehr hatten, der so wichtig ist für eine Nation wie Deutschland.

Auch das Verpassen der Olympischen Spiele war eine Katastrophe. Daraus habe ich meine Konsequenzen gezogen und meinen Rücktritt erklärt. Kein schöner Abschluss, auch weil ich in diesem Turnier vom Bundestrainer keine Chance bekam, dem Team zu helfen. Für viele war ich dann der Buhmann, der geht, wenn es nicht läuft. Aber wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht so bin und dass meine Entscheidung schon vorher feststand.

Jetzt kommt die nächste Generation!